„NEUE HEIMAT DRESDEN“

Die Deutschlandstipendiaten Oxana Fabian, Annemarie Stolle und Egor Secrieru im Gespräch mit Dr. Steffen Ehrig vom Sächsischen Verband für Umweltmanagement e. V. und dem EIPOS-Präsidenten Dr. Werner Mankel

Unter diesem Motto waren am 21. Mai 2013 die vom EIPOS e. V. geförderten Stipendiatinnen und Stipendiaten eingeladen zu einem Erfahrungsaustausch mit Ur-Dresdnern, Langzeit-Dresdnern und Neu-Dresdnern.

Einen Gedankenanstoß bot der Dokumentarfilm „Was bleibt – Architektur der Nachkriegsmoderne in Dresden“, der den Fokus weg vom Canaletto-Blick hin zu einem zweiten Gesicht Dresdens, das der Nachkriegsmoderne, richtete. Der Film ging den Spuren jener Bauten nach, die die Sechziger und Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Dresdens Innenstadt mitprägten und mit vielen Dresdner Biografien und Erinnerungen verknüpft sind. Er zeigte Bauten wie den Kulturpalast, das Rundkino und den "Fresswürfel", ließ ihre Macher und Kritiker zu Wort kommen. Er verdeutlichte, welche Ideen und Menschen hinter jenen Planungen und Entwürfen standen.

In der Diskussion zeigte sich, dass die Überformung der Architektur der Nachkriegsmoderne durch zeitgenössische Standards teilweise so stark ist, dass sie für nicht Eingeweihte kaum als Zeugen dieser Zeit erkennbar sind. Die Prager Straße beispielsweise wird von den Studierenden, die erst in den vergangenen Jahren in die Stadt Dresden gezogen sind, gar nicht als städtebauliches Ensemble der Nachkriegsmoderne wahrgenommen.

Einige Gäste konnten die Bilder des Films stark mit ihren persönlichen Erinnerungen verknüpfen. Sie hatten die Diskussion um die städtebaulichen Planungen und die Entstehung der gezeigten Bauten, teilweise noch die Zerstörung der vorherigen Bebauung miterlebt. Hierfür stellvertretend ein im Film gezeigtes Beispiel in unmittelbarer Nähe des Zwingers: Die politisch motivierte Entscheidung für den Abriss der im Krieg beschädigten Sophienkirche, die funktionalen, zeitgenössischen und denkmal-pflegerischen Ideen, die in die Planung für die HO-Gaststätte „Am Zwinger“ (im Volksmund „Fresswürfel“ genannt) einflossen, dann dessen Abriss nach der Wende und der nun vorhandene Neubau des „Wilsdruffer Kubus“.

Vor Augen geführt zu bekommen, dass Identität stiftende Gebäude, deren Entstehung sie miterlebt haben, inzwischen schon wieder verloren sind, stimmte doch nachdenklich. „Was bleibt“ fragten sich nicht nur diejenigen, die im Film zu Wort kamen.

Der rege Austausch wurde anschließend bei Gegrilltem und einem Glas Wein fortgesetzt und man kam überein, dieses Motto in einer weiteren Runde fortzusetzen.

 

Fakten zum Dokumentarfilm:
Was bleibt – Architektur der Nachkriegsmoderne in Dresden
Autorin: Susann Buttolo (Technische Universität Dresden, Fakultät Architektur)
Regie/Kamera: Ralf Kukula (Filmemacher und Filmregisseur)
Erscheinungsjahr: 2009
Die Filmarbeit wurde von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Dresdner Stiftung für Kunst und Kultur der Stadtsparkasse Dresden gefördert.

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